Maria Montessori

Montessori Pšdagogik


von Pia Kšhler

10. Die Religion

Wie ich es schon öfters erwähnt habe, war Maria Montessori eine gläubige Katholikin. Ihre Einstellung zu Gott spiegelt sich in vielen Übungen und Zielen indirekt wider, es gibt jedoch auch Bereiche, die ganz bewusst auf die religiöse Erziehung abzielen.
Bei Montessori soll das Kind auf jegliche Art von religiöser Bildung vorbereitet werden.
Sie ist √ľberzeugt, dass ein starker, innerlich ruhender Mensch eher dazu bereit ist die g√∂ttliche Gnade zu empfangen. Da nun alle ihre √úbungen das Ziel haben eine starke, geordnete Pers√∂nlichkeit aufzubauen, bereitet jede √úbung im gewissen Ma√üen auf die Religiosit√§t vor.
Konkreter wird dies jedoch in den √úbungen umgesetzt, die die Sensibilisierung des Gewissens anstreben.
Die √úbungen der Stille bereiten zum Beispiel auf das Gebet vor.
Maria Montessori geht davon aus, dass Kinder von Geburt an eine religiöse Bindung haben. Es kommt darauf an, diese nicht mit Gewalt zu zerstören .
Diese These wird von Tiefenpsychologen gest√ľtzt: Seelische Erkrankungen sind oft darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass Grundbed√ľrfnisse in der Kindheit nicht befriedigt wurden. Dabei kommt dem religi√∂sen Bed√ľrfnis ein besonders hoher Stellenwert zu.
Der Auftrag des Erziehers liegt demnach darin, das nat√ľrliche Streben des Kindes zu sch√ľtzen und zu unterst√ľtzen. Eine entsprechende Umgebung ist daf√ľr die zwingende Vorraussetzung. Nur wenn die Umwelt die Religion in das Leben mit einbezieht, kann sich das religi√∂se Organ des Kindes entwickeln. [20] Es ist demnach f√∂rderlich, wenn die Eltern die Religion praktizieren und das Kind mit in die Kirche nehmen.
Die Kinder wollen glauben, sie streben zu Gott. Dies wird auch in der Bibel angesprochen: ‚ÄěWenn ihr nicht [...] werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen.‚Äú[21]
Kinder finden von alleine zu Gott, wenn der Rahmen stimmig ist. Montessori versucht es durch religiöse Materialien, den Kindern zu ermöglichen, ihrem Glauben freien Ausdruck zu geben, so wie es ihren Empfindungen entspricht.
In den Einrichtungen gibt es meist ein Atrium, oder einen bestimmten Teil des Raumes, in dem sich diese Materialien befinden.
Dort finden die Kinder Bilder und Statuen von zentralen Figuren der Bibel, besonders schöne Karten, auf denen zentrale Teile der Bibel stehen, sie können das Ave-Maria lernen, die 10 Gebote, die wichtigsten Geschichten, etc.
In diesem Bereich haben die Kinder auch die M√∂glichkeit selbst gestalterisch t√§tig zu werden, in dem sie z.B. eine Krippe basteln, oder besondere pers√∂nliche B√ľcher anfertigen, die auf die Messe vorbereiten.
Die Messe hat f√ľr Montessori eine besonders wichtige Bedeutung. In ihr, so sagt sie, offenbart sich die Quintessenz des Christentums.[22]
Es ist wichtig, dass die Kinder mit der Gemeinde in Kontakt kommen und auch die Rituale durchf√ľhren, da die Kenntnis von Gott nur der erste Schritt sein kann, um zu einem Leben mit ihm zu kommen.
Die Kinder sollen die Liturgie kennen lernen (√Ėl, Wasser, Weizen, Trauben, Lamm...) und merken, dass die Religion mit dem Leben eine Einheit bildet und nicht eine getrennte Welt darstellt. So sollen die Kinder auch selber Wein und Weizen anbauen um diesen Bezug zum Leben direkt herstellen zu k√∂nnen.
Auch der Katechismus spielt bei Montessori eine Rolle, jedoch kommt er erst am Ende. Das Kind muss Gott erst f√ľr sich kennen gelernt haben, bis das Auswendiglernen von zentralen Definitionen Sinn macht.
Montessori h√§lt diese Definitionen deswegen f√ľr bedeutsam, weil sie Ordnung im Kind schaffen k√∂nnen, wenn es gewisse Dinge genau einordnen kann.
Wie auch in anderen Bereichen (z.B. beim Lesen) ist es Montessori auch hier wichtig, den Kindern Wissen mit Anspruch zu vermitteln. So sollen nicht aus Engeln, Engelchen gemacht und Gott allein f√ľr die Weihnachtsgeschichte missbraucht werden, da so die Bedeutung des Christentums und Gottes Gr√∂√üe geschm√§lert werde.
Auch wenn es ein Anliegen ist, dem Bed√ľrfnis nach Religion nachzugehen, wird kein Kind zur religi√∂ser Bildung gezwungen. Durch so etwas w√ľrde man auch nur das Gegenteil des erw√ľnschten Ziels erreichen: eine Anti-Haltung der Religion gegen√ľber.

[20] Helming, H.: Montessori-Pädagogik. S. 154.

[21] Mt 18,3

[22] Vgl. Helming, H. Montessori-Pädagogik. S.156.
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