Prfung

Leistungskontrollen in der Schule

5. Prüfungsangst - Leistungsangst

In diesem Kapitel soll das Phänomen Leistungsangst in der Schule, genauer gesagt die Angst vor Leistungskontrollen, näher betrachtet werden.
Unter anderem sollen folgende Fragen geklärt werden: Wie äußert sich Leistungsangst überhaupt? Was sind die Gründe und Ursachen für diese Art von Angst? Welche Auswirkungen hat Leistungsangst? Gibt es Möglichkeiten der Angstprävention?

Wenn wir an unsere Schulzeit zurückdenken, erinnert sich bestimmt jeder an das Gefühl der Angst und Not vor Leistungskontrollen. In gewissem Umfang scheint dieses Gefühl normal zu sein. Der Zustand der Aufgeregtheit vor einer Klassenarbeit ist sogar sinnvoll, weil ein gewisses Maß an Erregung unsere Leistungsfähigkeit fördert.
Allerdings darf die Erregung nicht zu hoch sein, da ansonsten die Konzentrationsfähigkeit wieder abnimmt. Von wirklicher Leistungsangst spricht man also erst, wenn ein Schüler so stark erregt ist, dass diese Angst leistungshemmend wirkt und die Klassenarbeit oft nur unter sehr hoher Belastung absolviert werden kann. Oft erzielt ein leistungsängstlicher Schüler aufgrund seiner Angst in einer Arbeit schlechtere Ergebnisse, als ein Schüler, der über die gleiche Intelligenz verfügt und keine Leistungsangst hat.
Leistungsangst tritt zumeist nicht erst unmittelbar vor oder während der Klassenarbeit auf, sondern beeinträchtigt die Schüler schon lange vorher. Die Symptome der Angst sind vielfältig: Oft treten bereits beim Gedanken an die bevorstehende Arbeit Gefühle wie Hilflosigkeit, Resignation und Hoffnungslosigkeit auf. Die Betroffenen schlafen schlechter, berichten oft von Alpträumen und Angstgedanken.
Die Gedanken an die Leistungskontrolle rufen bei den Betroffenen körperliche Symptome, wie z.B. Herzrasen, Schwindel, Schwitzen, flauer Magen, Verdauungsprobleme, zittrige Hände und Beine, beschleunigte Atmung usw. hervor.
Das Verhalten reicht von Vermeidung der Prüfung, Herausschieben des Vorbereitungsbeginns bis hin zu ununterbrochener Vorbereitungstätigkeit, die eher als ruheloser Aktionismus denn als sinnvolle Prüfungsvorbereitung zu bezeichnen wäre.[32]
Es gibt eine Vielzahl von Ursachen die für Leistungsangst in Frage kommen. Zum Teil bedingen sie sich sogar gegenseitig.

Kinder mit mangelndem Selbstbewusstsein, die sich wenig zutrauen und die Erfolge nicht sich selbst zuschreiben, laufen leicht Gefahr, Angst vor Prüfungen zu haben.
Viele Schüler sind auch schlichtweg überfordert mit der Menge des Stoffes den sie lernen müssen, mit der Schwierigkeit des Stoffes und oft auch mit der Geschwindigkeit in der der Unterrichtsstoff von Seiten des Lehrers beigebracht wird. Dies liegt gerade in der Sekundarstufe 1 häufig daran, dass die Schüler die falsche Schulform besuchen.
Wer andauernd erlebt, dass die Schule von ihm Leistungen fordert, die er auch mit großer Anstrengung nicht erbringen kann, entwickelt natürlich Angst.

Ein wichtiger und (leider) sehr häufiger Grund für Leistungsangst ist die Angst vor der Reaktion der Eltern. Es gibt wohl kaum Eltern, die ihrem Kind absichtlich Angst vor Prüfungen machen. Trotzdem passiert es oft, dass die Reaktion der Eltern auf schlechte Noten (oder auch schon die Reaktion, die ein Kind von seinen Eltern erwartet) zur Entwicklung übersteigerter Ängste führt.
Das Klischee von brüllenden oder prügelnden Eltern trifft allerdings kaum zu. Meistens sind es eher die unterschwelligen Erwartungen der Eltern, das Enttäuschtsein bei schlechten Noten, die „langen Gesichter“, die endlosen Diskussionen über die Wichtigkeit schulischen Erfolges, die langsam und stetig zur Entwicklung von Prüfungsangst führen. Eine langfristige miese Stimmung zuhause, die durch schulische Misserfolge bedingt ist, kleine Sticheleien, die dauernde Verknüpfung von Erlaubnissen mit besseren Noten, die Schule insgesamt als Dauerthema. All das kann oft mehr Schaden anrichten als ein kurzes heftiges „Donnerwetter“ nach einer missratenen Klassenarbeit.[33]
Viele dieser elterlichen Reaktionen sind von ihnen eigentlich nicht gewollt, sie passieren einfach. Hintergrund sind oft eigene Ängste der Eltern vor der ungewissen Zukunft (“Was soll nur aus dir werden? Du hast ja überhaupt keine Ahnung, wie wichtig heute ein guter Schulabschluss ist!“)
Eltern sollten sofort aufhorchen, wenn ihr Kind versucht seine Noten zu verschweigen. Dann liegt der Schluss schon ziemlich nahe, dass es die Reaktion der Eltern ist, vor denen das Kind Angst hat.

Die meisten Schülerinnen und Schüler müssen sich auf eine Klassenarbeit vorbereiten, weil die wenigsten von Natur aus so begabt sind, um eine Klassenarbeit ohne vorheriges Lernen gut zu schaffen. Viele Schüler wissen nicht, wie sie sich richtig auf eine Prüfung vorbereiten sollen. Sie haben daher Angst sich falsch vorzubereiten und deswegen eine schlechte Arbeit zu schreiben, obwohl sie vom Intellekt her fähig wären eine gute zu schreiben.
Etliche Schüler warten mit dem Lernen für die Arbeit bis zum vorletzten oder letzten Tag, was selten zu einem wirklichen Kenntniszuwachs führt, sondern eher zu einer extremen Steigerung der Prüfungsangst. Manch einem Schüler wird leider erst in der Vorbereitung auf die Prüfung klar, welch riesige Wissenslücken er hat. In der verbleibenden Zeit ist daran meist nichts mehr zu ändern, wodurch die Angst steigt.
Wenn zum Zeitpunkt der Prüfung und Prüfungsvorbereitung schwierige Lebensumstände vorherrschen (Krankheit, Probleme zu Hause, Alltagsstress usw.), erhöht dies die Anspannung und damit die Angst.
Weitere Gründe für starke Leistungsangst liegen in fehlenden Kompetenzen der Bewältigung von Stress und Belastung, in negativen Vorerfahrungen mit Prüfungen, in zu hohen Erwartungen an das Ergebnis der Prüfung und in genereller Ängstlichkeit und Neigung zu Angst. [34]

Man stellt sich nun die Frage, wie sich die Leistungsangst eines Schülers auf sein Verhalten auswirkt.
Dazu kann man sagen, dass leistungsängstliche Schüler oft schon krampfhaft an eine Leistungskontrolle herangehen. Sie stehen innerlich so stark unter Leistungsdruck, dass sie kaum klar und planmäßig denken können und schon bei einer etwas schwieriger erscheinenden Aufgaben schnell entmutigt sind. Sie bekommen aufgrund ihrer Angst keinen klaren Gedanken zu fassen und sind manchmal so stark von der Leistungsangst „beherrscht“, dass dies nicht selten zu dem sogenannten „Blackout“ führt.
Demzufolge fallen die Leistungskontrollen von leistungsängstlichen Schülern natürlich oft auch dementsprechend schlecht aus.
Hat ein Schüler nun öfter schlechte Noten, so wird er entmutigt und der Angstpegel kann leicht steigen. Die Angst noch mehr Misserfolge zu haben steigt ständig an und wird durch weitere Misserfolge negativ bestätigt. Daraus ergibt sich eine Erwartungshaltung für kommende Leistungskontrollen, diese auch nicht zu bestehen. Der Schüler beginnt sein Selbstbewusstsein zu verlieren, und entwickelt daher noch mehr Angst.

Damit Leistungsangst nicht solche fatalen Auswirkungen hat, wie oben beschrieben, sollte man rechtzeitig etwas dagegen unternehmen. Denn übersteigerte Prüfungsangst ist ein ernsthaftes Problem, das so manche schulische Karriere nachhaltig beeinflusst, wenn nicht sogar zerstört hat.
Wenn Eltern also erkennen, dass ihr Kind unter starker Prüfungsangst leidet, sollten sie sich auf jeden Fall mit der Schule in Verbindung setzen. Denn nicht immer erkennt der Lehrer gleich, dass ein Schüler unter Leistungsangst leidet. Wenn der Lehrer dann Bescheid weiß, genügen manchmal Kleinigkeiten: Ein wenig Zuwendung in der Situation, ein ermunterndes oder beruhigendes Wort, auch der Hinweis, dass bestimmte bereits erledigte Aufgaben der Arbeit doch schon ganz prima geworden sind... [35]
Wenn ein Kind mit einer `Fünf´ nach Hause kommt sind die meisten Eltern erst einmal „sauer“. Eigentlich ist dies eine ganz normale Reaktion, allerdings hilft das den Kindern die wirklich unter Leistungsangst leiden wenig, im Gegenteil, solch ein Verhalten steigert sogar noch die Angst des Kindes.
Deshalb sollten Eltern ihre Reaktion auf eine schlecht ausgefallene Arbeit unabhängig vom Ergebnis machen. Das bedeutet, dass es für Eltern eigentlich nur einen guten Grund gibt, wütend zu sein, und zwar dann, wenn das schlechte Ergebnis einer Leistungskontrolle ausschließlich auf mangelnder Vorbereitung beruht, also auf Faulheit. Wenn das Kind sich jedoch, im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht hat, auf eine Klassenarbeit vorzubereiten, dann sollten Eltern bei einem schlechtes Ergebnis nicht böse sein, sondern - im Gegenteil - Trost spenden. Eigentlich müsste die Reaktion der Eltern auf eine schlechte Note bereits feststehen, bevor eine Klassenarbeit auch nur geschrieben wird. War die Vorbereitung lau (oder hat erst gar nicht stattgefunden), darf man meckern. War die Vorbereitung in Ordnung, muss man trösten und Mut machen! Genau das müssen Eltern ihrem Kind klarmachen: nicht die Note wird bewertet, sondern der Weg.[36]

[32] Vgl. www.stangl-taller.at (11.12.04).

[33] Vgl. www.schulpsychologie.de (16.12.04).

[34] Vgl. www.stangl-taller.at (11.12.04).

[35] Vgl. www.schulpsychologie.de (16.12.04).

[36] Vgl. Ebd.
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