Stress

Stress - Grundlagen, Auslöser und Bewältigungsmöglichkeiten

4.3 Stressreaktionen

Unter Stressreaktionen werden alle Prozesse zusammengefasst, die bei einer betroffenen Person als Antwort auf einen Stressor in Gang gesetzt werden.
Man trifft grundlegend die Unterscheidung auf drei Ebenen:

1. behaviorale Stressreaktionen

2. kognitiv-emotionale Stressreaktionen

3. körperliche Stressreaktionen

Beginnend werde ich mit der Präsentation der behavioralen Stressreaktionen befassen.
Als behavioral wird das Verhalten zusammengefasst, welches von auĂźen beobachtbar ist. Es wird damit also alles gekennzeichnet, was der Betroffene sagt oder tut.
Beispiele dazu sind:

- hastiges und ungeduldiges Verhaltenà Essen schlingen, Pausen verkürzen oder ausfallen lassen, schnell sprechen und andere unterbrechen („fahre schneller Auto“ Befragungsbogen 2; „ungeduldiger“ Befragungsbogen 3)

- Betäubungsverhalten à mehr rauchen, Alkohol trinken („ein Bierchen trinken“ Befragungsbogen 2), Beruhigungsmittel oder Aufputschmittel einnehmen

- unkoordiniertes Arbeitsverhalten à mehrere Dinge gleichzeitig tun, in Arbeit stürzen („Abarbeiten“ Befragungsbogen 1 & 2), mangelnde Planung und Ordnung

- konfliktreicher Umgang mit anderen Menschen à anderen Vorwürfe machen, aggressives Verhalten nahestehender Personen gegenüber[26] („reizbar könnte man es auch nennen“ Befragungsbogen 3.

Mit dem Begriff der kognitiv-emotionalen Stressreaktionen wird das „verdeckte“ Verhalten bei Stress erfasst. Es beschreibt alle intrapsychischen Vorgänge und ist somit für Außenstehende nicht sichtbar.
Damit sind Gedanken und Gefühle gemeint, die beim Betroffenen in einer Stresssituation durch Stressoren ausgelöst werden.
Beispiel hierzu sind:

- Gefühle der inneren Unruhe („sehr nervös“ Befragungsbogen 1)

- GefĂĽhle der Unzufriedenheit und des Ă„rgers

- Angst zu versagen („dass ich es nicht schaffe“ Befragungsbogen 1)

- Leere im Kopf

- Gefühl der Hilflosigkeit („zum Teil bin ich auch so verzweifelt“ Befragungsbogen 1)

- Kreisende, grüblerische Gedanken[27] („die Gedanken kreisen“ Befragungsbogen 1)

Schließlich gibt es den Bereich der körperlichen Stressreaktionen. Dieser Bereich ist recht komplex, da eine Vielzahl von Mechanismen ablaufen, auf die der Mensch willkürlich kaum Einfluss nehmen kann. Es handelt sich dabei um neurohormonelle und vegetativ-physiologische Prozesse.
Der Hypothalamus ist dabei das „Stresszentrum“ im Gehirn.

Er steuert a) ein autonomes Nervensystem und

b) die Aktivierung der HirnanhangsdrĂĽse

Es werden durch diese Bereiche alle Organe aktiviert und reguliert. Eine ganz zentrale Rolle fĂĽr die Stressreaktion spielen die Hormone Adrenalin, Norandrenalin, Cortisol und das adrenocoticotrope Hormon (ACTH). [28]
Sie wirken alle auf den Kreislauf stark anregend und bewirken so verschiedenste Reaktionen im Körper:

- Das Herz schlägt schneller und wird besser durchblutet („ mein Herz fängt an zu rasen“ Umfragebogen 1)

- Der Blutdruck steigt, da sich die Blutgefäße zusammenziehen

- Die Bronchien erweitern sich, so dass die Atmung tiefer und schneller wird

- Die Muskelspannung wird erhöht („Nackenschmerzen“ Umfragebogen 2)

- Die Verdauungstätigkeit von Magen und Darm wird herabgesetzt ( „keinen Hunger“, „Stoffwechsel ist sehr langsam“ Umfragebogen 1)

- Die Funktion der Sexualorgane und ihre Ansprechbarkeit auf Reize ist eingeschränkt

- Zuckerreserven werden von der Leber ins Blut abgegeben

- Die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wird erhöht[29]

Es kommt also zu einer körperlichen Aktivierung und Energiemobilisierung.

[26] Vgl. Kaluza, 1996.

[27] Vgl. Kaluza, 1996.

[28] Vgl. Zimbardo & Gerring, 2004.

[29] Vgl. Kaluza, 1996.
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