Stress

Stress - Grundlagen, AuslŲser und BewšltigungsmŲglichkeiten

5.4 Welche Schl√ľsse lassen sich ziehen?

Durch Phänomene wie Kausalattributation oder der Aufmerksamkeitsfokussierung bei misserfolgsängstlichen Personen, wird die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Ergebnis zu erreichen, gering gehalten. Durch das Erleben von Misserfolg verstärken sich aber diese Denkmuster noch weiter und der Stress wird immer stärker. Kinder mit höherem chronischen Stress erreichen geringere kognitive Leistungen.[28] Hier kann man das Wechselspiel zwischen Situation und Person sehr gut ablesen. Im gegebenen Beispiel der Misserfolgsängstlichkeit hat dies fatale Folgen, da ein Teufelskreis entsteht.
Die einzige Möglichkeit aus diesem Denkmuster herauszukommen, ist das Aufsuchen von realistischen Anforderungssituationen, was misserfolgsängstliche Personen von sich aus aber gerade vermeiden.[29]
Nun sind aber Menschen, die eine Misserfolgsängstlichkeit aufgebaut haben, nicht hoffnungslos in diesem Teufelskreis verloren.
Dweck stellte Untersuchungen an, in denen er misserfolgs√§ngstliche Kinder in zwei Gruppen aufteilte und sie einem Erfolgstraining oder einem Attributationstraining unterzog. Das Training erstreckte sich √ľber einen Zeitraum von 25 Tagen.
Das Erfolgstraining war so ausgerichtet, dass die Kinder bei der Bearbeitung der Aufgaben zu 100% Erfolge verzeichneten. Gab es doch einen Misserfolg, wurde dieser vom Versuchsleiter schnell √ľberspielt.
Das Attributationstraining sah eine erfolgreiche L√∂sung der Aufgaben zu 80% vor. Bei den erlebten Misserfolgen sollte der Versuchsleiter Gr√ľnde angeben, die den Lerner als Verursacher seines Ergebnisses erscheinen lassen: z.B. ‚ÄěDu h√§ttest dich bei dieser Aufgabe ein bisschen mehr anstrengen m√ľssen, dann h√§ttest du sie gel√∂st.‚Äú
Dies sollte motivationsf√∂rdernd auf den Sch√ľler wirken, weil ihm vom Leiter die F√§higkeit unterstellt wurde, die Aufgabe l√∂sen zu k√∂nnen.
Das Erfolgstraining blieb ohne Wirkung. Die Kinder hielten auch nach dem Training an ihren gewöhnten Verhaltensweisen fest. Beim Attributationstraining gelang es den Kindern die Überzeugung zu gewinnen, dass sie selbst, durch ihre Anstrengung, ein Ergebnis beeinflussen können.[30]
Wichtig bei Trainingsprogrammen ist, dass man die betroffenen Personen nicht einfach in eine realistische Zielsetzung dr√§ngt, ohne ihnen zuvor ein neues Erkl√§rungsmuster f√ľr ihr Ergebnis angeboten zu haben. So w√ľrde sich n√§mlich lediglich der Bedrohungscharakter der Situation erh√∂hen.
In diesem Kapitel sollten die komplexen Zusammenhänge zwischen Situation und Person veranschaulicht werden. Es wurde das Geflecht von verschiedenen Faktoren, die auf die Entwicklung der persönlichen Dispositionen Einfluss nehmen und somit auch die Verarbeitung von Stress mitbestimmen, dargestellt.
Es lässt sich keine klare Trennung zwischen Situation und Person vornehmen, da sie nicht nur zusammen, sondern auch aufeinander wirken.
Vielleicht konnte dies auch veranschaulichen, warum sich eine Messung von Stress als so schwierig gestaltet.
Wie sich im letzten Abschnitt des Kapitels gezeigt hat, gibt es aber Möglichkeiten, auf personale und situative Merkmale Einfluss zu nehmen und so einem Stresserleben entgegen zu wirken.

Im folgenden Kapitel m√∂chte ich nun an diesen Punkt ankn√ľpfen und genauer auf Stressbew√§ltigungsma√ünahmen eingehen.

[28] Vgl. Plante & Sykora, 1994; nach Schwarzer, 1993.

[29] Vgl. Schwarzer, 1993. S. 38.

[30] Dweck, 1975; nach Schwarzer, 1993.
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